Trimoba AG

Radlager und Bremszylinder wechseln bei einem Mercedes Ponton 220 S

Bei diesem Bericht möchte ich etwas klar vorausschicken. Sollten Sie sich überlegen, diese Arbeiten auszuführen, kann dieser Bericht eine echte Hilfe sein. Er ersetzt aber das nötige Fachwissen nicht, da wir an sicherheitsrelevanten Teilen arbeiten.

Das dieser Bericht überhaupt entstand, ist dem Umstand zu verdanken, dass während einer Ausfahrt plötzlich Rauch und ein fürchterlicher Gestank aus dem Rad vorne rechts qualmte. Somit war die Reise schlagartig zu Ende und der Ponton musste aufgeladen werden ( Foto 1 + 2). Das Rad konnte von Hand nicht mehr berührt werden, so heiss war es und überall lief heisses, flüssiges Kugellagerfett beim Rad heraus. Ein Glück, dass dieses nicht blockierte!

Also, der Ponton ist zurück in der Werkstatt und als erstes muss das Rad herunter und die Trommel der Bremsanlage entfernt werden (Foto 3 – 6). Falls die Trommel klemmt, einfach von hinten mit einem Kunststoffhammer klopfen oder von der Vorderseite mit 3 einzuschraubenden Schrauben rausdrücken. Frontabdeckungsbuchse auch weg (Foto 7). Auf Foto 8 ist die Klemmmutter zu sehen, mit der man am Schluss auch wieder das Radlagerspiel einstellt. Auch diese mit einem Inbussschlüssel lösen, Foto 8, rausdrehen und die Zwischenscheibe auch entfernen. Mit etwas Nachhilfe, Foto 9, wird die Vorderradnabe herausgefahren, Foto 10.

Die Vorderradnabe hat 2 Kegelkugellager, ein Inneres und ein Äusseres und einen Simmenring mit Zwischenscheibe. Das äussere Lager fällt selbsständig heraus, Foto 11. Die Lagerschale muss mit Hammer und Durchschlag von hinten rausgeklopft werden, Foto 12 – 13. Das innere Lager mit dem Simmenring davor, fällt nicht selbstständig raus und muss wie das Äussere, von der Gegenseite her mit Hammer und Durchschlag rausgeklopft werden, Bild 14. Bremstrommel und Nabe sauber reinigen, Bremstrommel muss fettfrei sein, Foto 15 – 16.

Nun müssen die neuen Lager wieder in die Nabe eingepresst werden, Foto 17. Dafür müssen die beiden Lager mit Kugellagerfett richtig eingerieben werden. Das Fett muss bestmöglichst in die Innenräume eingepresst werden, Foto 18 – 19. Selbst in die Nabe rein und zwischen den Lagern, sehr grosszügig Fett verteilen. Die beiden Lagerschalen konnte ich mit einer entsprechenden Nuss gut einpressen, bis diese am Innensteg angestanden sind, Foto 20 – 22. Achtung, die Lagerschalen sind konisch und der grössere Innen-Durchmesser muss je beidseitig nach Aussen schauen, sonst kann das Lager nicht mehr platziert werden!! Beim Inneren Lager wiederum die Zwischenscheibe montieren. Achtung, auf die richtige Einbauposition achten (Bild 23 – 24), ansonsten blockiert diese nach dem Einbau des Simmenrings das Lager! Nun Simmenring oder auch Dichtungsring genannt, gleichmässig einpressen bis zum Anschlag (Bild 25). Immer überall grosszügig Kugellagerfett gebrauchen!

Nun wäre eigentlich die Lager – Arbeit erledigt und die Nabe könnte zurückgebaut werden, Bild 26. Da die Bremszylinder jedoch durch die Hitze vermutlich auch Schaden genommen haben und früher oder später wohl undicht werden, viel der Entscheid leicht, diese präventiv gleich auch auszuwechseln. So klemmen wir also zuerst die Bremsflüssigkeitsleitung ab, Foto 27, damit wir nicht einen See bekommen. Achtung, Bremsflüssigkeit ist ätzend, immer sofort reinigen wenn es Tropfen gibt.

Für das Entfernen der Radzylinder lösen wir zuerst die Bremsleitungen (Foto 28). Anschliessend enfernen wir die beiden Rückzugsfedern, Foto 29 + 30). Achtung, die Montagerichtung beachten. Die Federenden sind unterschiedlich beim Einrasten.

Der Mercedes Ponton hat selbstnachstellende Bremsen. Die Nachstellungführungsstifte mit den Druckfedern entfernen. Dafür müssen hinten auf der Bremsträgerplatte die Splinten gezogen werden, Bild 31 + 32. Dann je die 3 Schrauben der Radbremszylinderbefestigung lösen und die Schrauben der Bremsbackenbefestigung. So kann alles abgebaut werden (Foto 33 + 35). Auf dem Foto 36 sieht ihr einen Teil der zwischenzeitlich abgebauten Teile mit teilweise bereits den neuen Teilen drauf. Ja, und wenn wir schon alles abgebaut haben, wird die Bremsträgerplatte sauber gereinigt und mit einem hitzebeständigen Lack wieder verschönert (Bild 37).

Bevor nun die Rückmontage der Bremsen und Radzylinder beginnt, ist es wichtig, sauber und fettfrei zu arbeiten. Achtung, die neuen Bremszylinder haben zwei Befestigungsflanken (Foto 38). Durch das eine Gewindeloch kommt von vorne die grössere Führungsschraube und auf der Gegenseite, sprich von hinten durch die Bremsträgerplatte, wird die Gegenschraube eingedreht. Da es sich um Nachbauteile handelt, wurde wohl nicht beachtet, dass wenn diese beiden Schrauben gegeneinander eingedreht werden, diese aufeinandertreffen und so die beiden Gussflanken der Radzylinder zu spreizen beginnen. Da sich Guss nicht spreizen lässt, werden unweigerlich die Flanken abbrechen und die Bremszylinder sind defekt. Teures Geld für den Kübel und viiiiel Ärger. Daher unbedingt im Voraus die Führungsschraube ganz eindrehen, inkl. Sicherungsscheibe und anschliessend die Gegenschraube eindrehen bis die Schrauben aneinanderkommen. Anschliessend messen, wie viel die Gegenschraube noch eingedreht werden müsste, bis der Kopf an der Zylinderflanke ansteht. Bei mir waren es ca. 8 mm und wenn dann die Trägerplatte noch dazwischen ist, sind es wohl nur etwa 6 mm. Daher unbedingt unter die Gegenschrauben einen Federring und eine U-Scheibe unterlegen, um diesen Abstand aufzufangen (Foto 39).

Nun kann die Wiedermontage beginnen. Die Bremszylinder montieren aber nur lose anziehen. Bremsbacken am Radzylinder montieren und die Führungsstifte mit Federn und Unterlagsscheiben wieder durch die Bremsbacke und die Trägerplatte ( durchs Röhrchen an der Trägerplatte) durchführen, Bild 40. Hinterseite mit Splinten fixieren (Foto 41). Wenn alles richtig sitzt, fertig anziehen. Bei der Führungsschraube des Radzylinders das Sicherungsblech nach vorne, über die Schraube biegen, damit diese sich nicht mehr öffnen kann, Bild 42. Ebenfalls die Bremsleitungen und die Entlüftungsschraube wieder sauber montieren

Nun montieren wir die Radnabe wieder und stellen das Radlagerspiel ein. Zuerst die Nabenwelle gut einfetten, Foto 43 und dann die Radnabe darüber ziehen, die Scheibe montieren und die Klemmschraube einschrauben, Bild 44. Nun mit einem Gabelschlüssel die Klemmschraube vorsichtig soweit anziehen, bis sich die Nabe nicht mehr drehen lässt. Anschliessend wieder leicht lösen. Wenn sich die Scheibe mit dem Schraubenzieher (Bild 45) und etwas Kraftanstrengung noch bewegen lässt, ist dies perfekt. Man kann das Radlagerspiel auch noch einstellen oder nachstellen, wenn das Rad bereits wieder montiert ist. Im Zweifelsfalle lieber etwas zuviel Spiel als ein blockiertes Radlager. Wenn Sie nicht sicher sind, unbedingt einen Fachmann beiziehen. Anschliessend die Inbusschraube an der Klemmschraube fest anziehen (Foto 8) und Spiel nochmals kontrollieren. Radkappendeckel bis ca. zur Hälfte mit Kugellagerfett füllen und über die Klemmmutter pressen. Die Bremsbeläge nochmals kontrollieren und sicherstellen, dass diese fettfrei sind. Ebenfalls die Bremstrommel. Am besten mit einem grobkörnigen Schleifband sauber abziehen.

Wenn alles sauber montiert ist (Bilder 46 – 49), kann die Bremstrommel wieder aufgesetzt werden (Bild 50) und das Rad fixiert (Bild 51) werden. Die letzte Arbeit ist noch die Bremsen wieder zu entlüften und fertig is es.

Anmerkung: Diese Anleitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit sowie Richtigkeit und es können keine Ansprüche daraus geltend gemacht werden. Alles auf eigene Gefahr und Verantwortung. Im Zweifelsfalle unbedingt einen Fachmann, Bild 52, dazuziehen.